Deutsch Ι English

Samstag, 23. 05. 2009
19:20 - 20:15 Uhr
KosmosTheater

WALKING WITH CECILIA

(Regie: Michaela Krimmer / Fritz Ofner, österreich 2006, 55 min., Spanisch mit englischen & deutschen Untertiteln)

Kokain, Guerilleros, Paramilitärs, Bürgerkrieg – wiederkehrende Themen, wenn es um Kolumbien geht, Schauplatz eines seit Jahrzehnten schwelenden Bürgerkriegs.

Sie gehören auch untrennbar zur Geschichte Cecilias, einer Indio-Grau um die 40 aus dem Volk der Arhuacos. Vor 3 Jahren wurde ihr Kollaboration mit den „Paras“ vorgeworfen, sie musste fliehen, hinaus aus dem Dschungel, dem Gebiet der Guerilleros, und hinein in die Stadt, samt Kindern und Großmutter. Auch ihrem Mann kehrte sie dabei den Rücken.

Inzwischen ist sie Geschäftsfrau. Ein Ghettoblaster, ein Mobiltelefon, eigene vier Wände mit Wasser und TV – Zeichen eines bescheidenen Wohlstandes. Zu all dem auch noch eine Freundin der Guerilleros in Untermiete als lebendigen Garant für eine gewisse Sicherheit.
Heute will Cecilia zurück in die Berge, dorthin, wo sie aufwuchs. Sie fragt den Schamanen um Rat. Sie wartet auf einen Anruf des „Commandante“, dem Geliebten ihrer Untermieterin, hofft auf seine Erlaubnis, die Sierra Nevada wieder betreten zu dürfen. Ein Alltag im Alltag Kolumbiens.

Wenige Stunden später: Der Dschungel, Trampelpfade, Wasserfälle, die Sierra Nevada, unberührte Natur. Ohne der Genehmigung des Commandante wären Cecilia, ihre Kinder, die Oma, der Esel und auch das Filmteam nicht mehr hier. Sie wären gar nicht mehr.

Die Rückkehr ins Dorf, der Blick über die Berge Kolumbiens, dem verstecktem Lager der Guerilleros, das Betreten des eigenen Hauses, das öffnen der vernagelten Fenster, das Auskehren des Mists. Cecilia plant den Wiederaufbau ihrer Farm. Auf dem Dorfplatz predigt ein evangelischer Pastor schreiend die Ankunft des Teufels und buhlt um Anhänger unter den Indios. Ein aussichtsloses Buhlen. Der Teufel der Moderne hat Kolumbien längst erreicht, sich eingenistet in traditionelle Strukturen und individuelle Lebensläufe der indigenen Bevölkerung. Cecilia wird weiterhin den Mist auskehren.

Ausgehend von einer Diplomarbeit Michaelas Krimmers zu indigenen Frauen in der Stadt entwickelten sie und Fritz Ofner zunehmend Interesse für die Geschichte einer Frau, die sich völlig ungeniert allen Erwartungen ihres Erwartungen ihres Dorfes und ihrer Kultur widersetzt, um ihr eigenes Leben zu suchen, zu finden und dennoch wieder zurückkehrt in ihre angestammte Tradition.

Ihr gemeinsames und selbstfinanziertes Film-Debüt „Am Weg mit Cecilia“ ist das Portrait eines selbstbewussten eigenständigen Frauenlebens zwischen den Fronten kriegerischer Parteien und rivalisierender Religionen. Cecilia sucht ihren Weg im gefährlichen Niemandsland der Selbstbestimmheit, zwischen den Kriegen der anderen, den Trampelpfaden der Männer Kolumbiens. Am Ende des Films scheint sie ihn zu finden. Heute, ein Jahr nach den Dreharbeiten, sitzt Cecilia im Gefängnis.

www.adifferentpicture.org

Weiteres Programm am 23. 05. 2009 im KosmosTheater:

18:30 - 19:05 Uhr: Home

20:30 - 20:45 Uhr: Mimoune

ab 20:45 Uhr: Arbeiten oder nicht arbeiten?

Café 7*Stern:

18:30 - 18:45 Uhr: Not for a Dime

19:00 - 20:25 Uhr: Rues de Pékin