Keynote: Filmmakers at Risk

Keynote: Filmmakers at Risk

Dr. Eva van Roekel, VU Amsterdam
Votiv Kino | Großer Saal | Donnerstag 23.05. | 19:00 Uhr | Tickets
Eintritt frei

Kollaboratives Filmschaffen entstand als revolutionäre Methode der Demokratisierung anthropologischen Wissens. Kompakte Ausrüstungen und deren einfache Handhabung ermöglichen es SozialwissenschafterInnen zunehmend Umweltproteste, politischen Aufruhr, Migrationsbewegungen, Menschenrechtsverletzungen und die damit verbundenen persönlichen Herausforderungen aufzuzeichnen. Wir können problemlos audiovisuell Geschichten gestalten, kollaborativ entwickeln und unmittelbar teilen. In Zeiten tiefer Verunsicherung liefern diese Dokumente prägende Einblicke.

Gleichzeitig werden Filmende wie Gefilmte durch diese neuen Zonen der ethnographischen Teilnahme und Repräsentation extrem verletzlich. Ist es also immer ethisch und wünschenswert, mit unseren GesprächspartnerInnen zusammenzuarbeiten und ihre Geschichten einem größeren Publikum zugänglich zu machen? Dies fragt sich van Roekel seit mehr als einem Jahrzehnt, während sie die Geschichten ihrer ForschungspartnerInnen – MilitärstraftäterInnen, die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Argentinien verurteilt wurden – zu erzählen versucht. In ihrem Vortrag reflektiert sie mit uns gemeinsam, inwiefern die zunehmende Verfügbarkeit des Sichtbaren und der Kollaboration neue Gefahren für FilmemacherInnen, Gefilmte und nicht zuletzt diejenigen, die nicht gefilmt werden, bringen. Vortrag in englischer Sprache.

Biographie

Eva van Roekel ist Assistenzprofessorin für Sozial- und Kulturanthropologie an der VU Amsterdam. Seit mehr als einem Jahrzehnt lebt und arbeitet sie in Lateinamerika. Ihre Feldforschung konzentriert sich auf Gewalt, Menschenrechte und Übergangsjustiz in Argentinien und Venezuela. Sie drehte zwei Dokumentarfilme in Venezuela und einen Dokumentarfilm in Belgien. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Filmprojekt in Argentinien.