Filmklub 2013

FILMKLUB 2013 im Weltmuseum Wien

Ab April 2013 präsentiert die ethnocineca gemeinsam mit dem Weltmuseum Wien jeden Monat aktuelle ethnographische und Dokumentarfilme aus dem Archiv der ethnocineca. Damit wird erneut ein Forum geschaffen, um ethnographischen Film in Wien einfacher zugänglich zu machen. Wie beim Filmfest selbst gilt auch für den Filmklub: Eintritt gegen freie Spende. 

PROGRAMM

18.04.2013

SEASONS OF MIGRATION
John Bishop | USA 2009 | 56 Min. | OmeU

Passend zur Ausstellung „Getanzte Schöpfung. Asien zwischen zwei Welten“ zeigt „Seasons of Migration“ Sophilene Cheam Shapiros vierteiligen klassischen kambodschanischen Tanz desselben Namens und wie dieser Inspiration findet. Außerdem reflektiert er den realen Kulturschock, erlebt von Kambodschanisch-Amerikanischen EinwohnerInnen in Long Beach, Kalifornien. Der Film vermischt Tanz mit Kommentar zu Musik und Choreographie mit persönlichen Geschichten der Emigration und des Kulturschocks. Der Tanz verwendet klassische Musik und Bewegungen um aktuelle Themen anzusprechen.


13.06.2013 – JUNGE PERSPEKTIVEN

NATURE’S KID
Cai Jie | China 2012 | 28 Min. | OmeU

„Warum sind wir lebende Buddhas?“ fragt der 14-jährige Dawa seinen Zwillingsbruder Nyima. Die beiden leben im Taga Tempel, einem isolierten Ort auf 3804 Metern Höhe, der das gesamte Jahr in Nebel getaucht ist. Dort verbringen sie das Ende ihrer Kindheit. Jeden Tag machen sie, was andere Kinder auch tun – kochen, die buddhistische Lehre studieren, spielen. Aber ihre Natur und Weisheit unterscheiden sie von den anderen. Dawa und Nyima mögen die Einsamkeit im Wald: „Jedes Mal, wenn ich ein Tier treffe, fühle ich, dass ich es bin und es ich.“
Tag für Tag, durch die Interaktion mit Buddhas und der Natur, konnten Dawa und Nyima innere Zufriedenheit gewinnen. Eines Tages wurde eine neue Regelung eingeführt, die besagt, dass Kinder unter 18 Jahren nicht mehr im Tempel leben dürfen. Diese Veränderung bedroht das friedvolle Leben im Tempel. Die Kinder haben beschlossen, dieses Problem durch die Kraft ihres Glaubens zu lösen. Der Prozess des Erwachsenwerdens macht ihnen ihr eigenes Schicksal bewusster und erlaubt ihnen sowohl mehr über die Welt zu verstehen, als auch ihrer Natur zu folgen.

NO COUNTRY FOR YOUNG MEN
Sadaf Javdani | Iran, Deutschland 2010 | 30 Min. | OmeU

Der Iran erlebte in den letzten Jahren ein hohes Maß an Abwanderung von WissenschafterInnen ins Ausland. Weil sie verunsichert sind, kommen viele iranische Intellektuelle und UniversitätsabsolventInnen zu dem „natürlichen“ Schluss, Abschied von ihrem Heimatland zu nehmen. Sobald sie ihr Land aber verlassen, tauchen ganz andere Problemstellungen auf: Kulturelle und soziale Schocks, Kommunikationsbarrieren ebenso wie ein Gefühl fehlender Zugehörigkeit. 
Der Film untersucht die Gegensätze zwischen dem, was junge IranerInnen vom Leben erwarten und dem, was das Land zu bieten hat. Er demonstriert visuell das konstante Gefühl von Heimweh, welches die Generation der Filmemacherin erlebt – egal ob sie bleiben oder das Land verlassen. Durch die Konzentration auf Freundschaften und persönliche Gefühle versucht der Film in adäquater Repräsentationsweise zu zeigen, was sich unter der Oberfläche abspielt. Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf 13 Freunden, von denen nur noch eine Person im Iran geblieben ist. Durch Interviews versucht der Film jene Gefühle darzustellen, welche die ProtagonistInnen erleben, wenn ihre Freunde und Familien das Land verlassen oder sie selbst gehen. Unter der immer größer werdenden Zahl von jenen, die gehen, sind viele, die nach etwas Undefiniertem suchen, die auf einen besseren Ort hoffen und irgendeine Sicherheit suchen. Das Konzept der Sicherheit ist aber verbunden mit Zuhause – wenn man dieses verlässt, fühlt man sich entfremdet vom ersten Zuhause, vom Heimatland, von der eigenen Kindheit, der Familie, Liebe und dem authentischen Selbst. Trotzdem erhöht sich die Anzahl jener, die das Land verlassen jeden Tag.


18.07.2013

PROMISE AND UNREST
Alan Grossman | Philippinen 2010 | 79 Min. | OmeU 

Frauen sind oft die Alleinverdienerinnen transnationaler Familien. Von ihrer Tochter Gracelle im Alter von 7 Monaten getrennt, verlies Noemi Barredo die Philippinen, um in Malaysia zu arbeiten bevor sie 2000 nach Irland kam. Über einen Zeitraum von fünf Jahren gefilmt, ist „Promise and Unrest“ ein intimes Portrait einer Frau die ihre Mutterrolle über große Distanz ausübt, während sie gleichzeitig die Verantwortung für ihre erweiterte Familie in den Philippinen zu sorgen, wahrnimmt. Durch die Kamera beobachtet der Film die tägliche Gestaltung der Beziehung zwischen Noemi und Gracelle, ihre Wiedervereinigung in Irland durch das „Recht auf Familienzusammenführung“ und zum ersten Mal den Beginn eines gemeinsamen Haushalts im selben Land. Der narrative Bogen des Films ist durch das Mutter-Tochter Offkommentar, das Noemie und Gracelle selbst geschrieben haben, strukturiert. Es ist bewusst in zwei Sprachen gehalten: der Erstsprache Waray, gesprochen von Noemi in Dialog mit ihrer jugendlichen Tochter und Englisch mit Akzent – einer neuen und angeeigneten Sprache die Gracelle gezwungen ist in einem neuen Land zu lernen. Keine von beiden hat das Skript der anderen vorab gelesen. Erst, als sie den Film zusammen gesehen haben, lernten sie, was die andere gedacht und erlebt hat – sowohl in der fernen Vergangenheit also auch in der aktuellen Gegenwart. 


22.08.2013

ART ON THE ROAD
Barbara Nickl | Mexiko, Großbritannien 2012 | 9 Min. | OmeU  

Ein Film über Reisen und den Wunsch in Bewegung zu bleiben. Das Thema ist der Lebensstil von Artesanos – junger LateinamerikanerInnen und EuropäerInnen, die durch Lateinamerika reisen, und dabei ihren handgemachten Schmuck verkaufen, um ihren nomadischen Lebensstil zu finanzieren. Dieser experimentelle Dokumentarfilm, der Super 8 Filmmaterial, digitale Fotografien und Tonaufnahmen enthält, wurde als Teil eines Masterabschlusses in Visueller Anthropologie an der Universität Manchester im Sommer 2011 in San Cristóbal de las Casas, Mexiko, produziert. Er offenbart die Geschichten und Gedanken von fünf Artesanos unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters. Alle von ihnen haben denselben Lebensstil und kommen am Santo Domingo Markt in San Cristóbal de las Casas in Mexiko zusammen. Der Film ist selbst eine Reise – von der Abfahrt über die unsichere Route, angetrieben von romantischen Ideen über das Reisen (?ich denke, groß geschrieben), die Kulturen und die Natur, hin zur Ankunft in einer Stadt und der Präsentation der eigenen Waren auf einem Markt, und wieder zurück zu einer weiteren Abreise in Richtung einer ungewissen Destination und Zukunft. 

THE LOVER AND THE BELOVED
Andy Lawrence | Großbritannien 2011 | 70 Min. | OmeU  

Ein Film über die Reise eines Mannes durch Nordindien und seine Suche nach Erleuchtung. Unter einer schwächenden Krankheit leidend, unternimmt der Geschichtslehrer Rajive McMullen eine schmerzhafte Reise in das Herz des Tantra, die ihn durch Karnakhya Devi in Assam und Tarapith in Westbengalen, zwei der wichtigsten Zentren des tantrischen Hinduismus, führt. McMullen begibt sich auf Sinnsuche in heiligen Schreinen, kommt in Krematorien dem Tod nah und genießt das Chaos der Aghori Suchenden. Dadurch gewährt der Film Einblick in die tantrischen Vorstellungen vom Lebenszyklus, insbesondere vom Tod, und hilft uns zu verstehen, wie wir nach Erkenntnis suchen und wie wir sterben. The Lover and the Beloved stellt dabei einen realistischen Versuch dar, sowohl die gelebten Bräuche als auch die schwer zu fassende Theorie des Tantrismus zu verstehen, und weit verbreitete westliche Fehlinterpretationen dieser Gedankenwelt anzufechten. 


19.09.2013

TENERE: MAPPING THE DESERT
Edward Owles | Libyen 2011 | 25 Min. 
| OmeU

Der Film erforscht lyrisch die unterschiedlichen Einstellungen zur „kulturellen Landschaft“ der libischen Sahara einer Gruppe europäischer BesucherInnen aber auch jene der „lokalen“ Tuareg, die sie durch die Region führen. Experimentell gefilmt und geschnitten erforscht dieser Film das Ausmaß in welchem wir anstreben die natürliche Umwelt als wissenschaftliche Domäne festzuhalten. Der Film entstand im Kontext einer archäologischen Reise der Universität Oxford zum Thema Steinkunst der Region. 

EDUCATION SANS EXCISION
Lukas May | Senegal, Deutschland 2010 | 60 Min. | OmeU

Die Sängerin Sister Fa und ihre Band haben zu Beginn des Jahres 2010 eine Tournee im Senegal, mit der Unterstützung der NGO Tostan und anderen Organisationen, mit dem Titel „Erziehung ohne Beschneidung – Ein Sensibilisierungsprojekt für die Beendigung der Frauenbeschneidung“, realisiert. Sie haben in Dakar und in der Region Casamance Konzerte zur Sensibilisierung der Bevölkerung gegeben, sowie Diskussionsrunden und Filmvorführungen zum Thema der Frauenbeschneidung organisiert. Der Film begleitet dieses engagierte und erfolgreiche Projekt. 


17.10.2013

Y TAMBIEN GAELLE
Natalie J. Halla | Spanien 2011 | 65 Min. | OmdU 

2010 wurde Haiti von einem Erdbeben erschüttert, das das ärmste Land des amerikanischen Kontinents schwer verwüstete. Ein Team spanischer Feuerwehrmänner wurde, gemeinsam mit ihrem Rettungshund Turco, zu den Protagonisten einer von den Medien verfolgten Rettungsaktion: 48 Stunden nach dem Erdbeben wurde der zwei-jährige Redjeson lebendig gefunden. Schnell wurde er zu einem Symbol der Hoffnung.
Ein Jahr nach der Tragödie, als die Welt die kleine Insel bereits wieder vergessen zu haben scheint, entscheiden sich drei Feuerwehrmänner zurückzukehren. Nicht nur um Redjeson zu finden, sondern auch in der Hoffnung ihre Wunden zu heilen.


14.11. 2013 – STUDENT’S CORNER– Filme junger Kultur- und SozialanthropologInnen 

SUMA QAMANA
Ane Lyngstad Oltedal | Norwegen 2012 | 29 Min. | OmeU

In der bolivianischen indigenen Revolutionsstadt El Alto ist Aktivismus zu einer Lebensart geworden. Eine Art, die auf Veränderung drängt, die die Menschen zusammenhalten lässt und die Respekt in einem Existenzmarkt verlangt, der durch Armut und Diskriminierung geprägt ist. Dieser Aktivismus ist ein Kampf für das „gute Leben“. Doch das aktive, politische, reflexive und an der Gemeinschaft orientierte Leben ist selbst Teil dessen, was das „gute Leben“ ausmacht. Zwei Bewohner geben uns Einblick in ihre alltäglichen Leben und Hürden, während sie ihre Überlegungen zu Aktivismus, Stadtleben, Veränderung, Respekt, Idealen und Hoffnungen mit dem Zuschauer teilen.

MUJERES PA’LANTE – WOMEN MOVING FORWARD
Tanja Wol Sorensen | Großbritannien 2012 | 29 Min. | OmeU 

Durch die Geschichten von drei lateinamerikanischen Frauen, die in Barcelona leben und Teil des Vereins Mujeres Pa’lente sind, gibt dieser Film Einblick in die Realitäten von Frauen mit Migrationshintergrund, die als Haushaltshilfen in Spanien arbeiten. Dem Publikum werden die Motivationen dafür näher gebracht, Ozeane zu überqueren um in Katalonien zu leben bzw. leben zu bleiben. Trotz der Diskriminierungen und Beschimpfungen die diese Frauen erleben, versuchen sie aktiv ihre eigenen und die Rechte und Lebensbedingungen anderer zu verbessern.

TENDER KISSES ARE HARD TO FIND 
Ines Ponte | Portugal, Großbritannien 2011 | 18 Min. | OmeU

Dieser Film zeigt die Großeltern der Filmemacherin in ihren alltäglichen Leben. Sie einander seit ihrer Kindheit. Sehr unterschiedlich im Charakter, wurde die Vertrautheit, die ihrer Beziehung zu Grunde liegt, über lange Zeit geformt. Dies schließt sowohl die kleinen Episoden des alltäglichen Lebens ein, als auch die lange Lebensdauer der beiden Protagonisten. 


12.12.2013 

TAGWERK
Jakob Brossmann | Österreich 2011 | 52 Min. | OmdU

Die Salzburger Festspiele fallen in den Ramadan und der Zeitungszusteller Ali fastet den ganzen Tag. Er lebt mit drei Freunden in einer Ein-Zimmer-Wohnung und das Fahrrad, mit dem er täglich um zwei Uhr früh ins Stadtzentrum fährt, besitzt keine Bremsen. Wenn er nachmittags mit seinen Freunden Cricket spielt, ist der Drucker Helmuth gerade von seinem Pferd abgestiegen, und fährt mit dem Auto vom Land in die Arbeit. Inzwischen ist die Journalistin Hedwig unterwegs zum nächsten Termin. Der Sponsoring-Ausfall der Credit Swiss verhindert möglicherweise die Fertigstellung eines Kunstwerks von Christian Boltanski. Nach dem Interview und Besprechungen hat sie noch einen Artikel verfasst und die Pläne der Kulturredaktion festgelegt. Bald beginnt der Andruck der aktuellen Ausgabe. Nun eilt sie zur letzten Vorstellung von Peter Simonischeks Jedermann. Ihr Tag wird erst vorbei sein, wenn die Zusteller die aktuelle Zeitungsausgabe in der schlafenden Stadt verteilen. „Tagwerk“ begleitet in Anlehnung an die Traditionen der Arbeiterfilme einen Tag im Leben dreier höchst unterschiedlicher Menschen, die durch ihre Arbeit bei den Salzburger Nachrichten miteinander verbunden sind. Dabei wird vollends auf Off-Sprecher oder Interviews verzichtet. Die unkommentierte Beobachtung des Alltags macht die Verflechtungen von Kultur und Arbeit, von Gesellschaft und Wirtschaft sichtbar.