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Siegerfilme 2018

 

ADA-Winner: MABACHER - #UNGEBROCHEN

Stefan Wolner | Österreich 2017 | 80 Min. | OmeU

Jurystatement: Das unterhaltsame Portrait des Youtube-Stars Mabacher überzeugt mit seinem humorvollen, aber sensiblen Blick in den Alltag des Protagonisten. Ein Protagonist, dessen Leben voller Überraschungen und Hindernisse steckt und der unbeirrbar mit Klischees aufräumt. Die FilmemacherInnen begegnen ihrem Akteur auf Augenhöhe und demonstrieren damit eindrucksvoll, wie ein Film über einen Menschen mit Behinderung ohne Stereotype und Opferzuschreibungen auskommen kann. Die Selbstbestimmtheit des Protagonisten wird den ZuseherInnen nicht plakativ erklärt, sondern als selbstverständliche Gegebenheit dargelegt und kann dadurch ihre ganze Wirkungskraft entfalten. Der launige, aber respektvolle Umgang mit einem Thema, das im öffentlichen Diskurs meist zu kurz kommt und sich oft auf reduzierende Darstellungen beschränkt, hat die Jury in ihrer Entscheidung bestärkt: Wir vergeben den Österreichischen Dokumentarfilmpreis ADA 2018 an Mabacher #unbroken.

 

IDA-Winner: 20th CIRCUIT SUSPECTS

Hesam Eslami | Iran 2017 | 73 Min. OmeU

Jurystatement: Mit 20th Circuit Suspects erarbeitete Regisseur Hesam Eslami ein geistvolles wie auch fesselndes Portrait einer Auto knackenden Jugendbande, die die Straßen Teherans unsicher macht. Sein offenes, fast familiäres Verhältnis zu den jungen Kriminellen ermöglichte es Eslami, ihr Leben, ihre Arbeit und Sehnsüchte aufzuzeigen, ohne ein moralisches Urteil über ihr Tun zu fällen. Die guerillahafte Kameraführung kombiniert mit einer subtilen sowie reflexiven Annäherung unterstreicht das Thema meisterhaft. 20thCurcuit Suspects ist nicht einfach eine weitere „Coming of Age“ Geschichte, sondern ein einnehmender Film über das Erwachsenwerden unter prekären sozialen und politischen Umständen in einer zunehmend entfremdeten Welt.

Special Mention: WOMEN OF FREEDOM

Abeer Zeibak Haddad | Palästina 2016 | 57 Min. | OmeU

Jury Statement: Women of Freedom is a striking exemplar of vitally important stories that we need to make, watch, and hear. Following different testimonies on honour killing in Palestine, Abeer Zeibak Haddad shows the complexity of a world caught in between the habitual pull of tradition, under which atrocities perpetrated against women endure, and the urgent need for change. The film is witness to the courage of the women and families who, breaking a taboo, speak of their own suffering under the deep injustice of a cultural practice.

 

 

EVA-WINNER: REMAKE OF A SUMMER

Magali Bragard und Enjolras Séverine | Frankreich 2017 | 96 Min. | OmeU

Jury Statement: Der Film ist eine wunderbare Hommage an das Cinema Verité und die cineastische und anthropologische Vision von Jean Rouch und Edgar Morin. Ihr Chronique d'un été / Chronik eines Sommers (F1961, s/w) brachte sozialanthropologische Feldforschung in die Kinos und an ein großes Publikum. Der Film beeinflusste gleichzeitig mit der Anwendung einer Sozialforschungsmethode als ästhetisches, cineastisches Werkzeug die französische Dokumentar- sowie fiktionale Filmproduktion. Dieser bahnbrechende Film enthält auch eines der ersten Zeugnisse einer Holocaust-Überlebenden. Die Künstlerin Marceline Loridan-Ivens, Witwe von Ioris Yvens, berichtet in einem berühmten Monolog auf dem Place de La Concorde über ihre Erfahrungen mit dem 2. Weltkrieg und der Zeit in Auschwitz-Birkenau. Marceline Loridan-Ivens ist auch die Schlüsselfigur für Bragards und Enjolras Remake of a Summer. Die Filmemacherinnen nähern sich dem Klassiker neu an, indem sie Methoden, Ästhetik und Standorte sowie sich selbst in ihrem Versuch einer „Wiederholung“ des Originals in der Gegenwart hinterfragen. Im Gespräch mit den Menschen in den Straßen und Banlieus von Paris, bei ihren ausgewählten Aktivitäten und Orten, nehmen Menschen und Kamera gleichermaßen teil. Das Ergebnis ist ein schöner Film, der die Kraft dieser cineastischen Sprache, aber auch die Gültigkeit einer Forschungsmethode zeigt; die einfache Frage „Bist du glücklich?“ liefert immer schier unbegrenzte Antworten und ermöglicht neue Sichtweisen und gegenseitiges Verständnis. Dieser Dokumentarfilm zeigt, dass die direkte und dialogische Herangehensweise der ideale Weg für Sozial- und Kulturwissenschaften sowie für die Politik ist, die Bedürfnisse und Wünsche von ‚den Menschen’ zu verstehen, bevor Fragen wie „Was ist zu tun?“ gestellt werden können. Er zeigt auch, dass das „Streben nach Glück“ nicht nur eine zeitlose Aufgabe jedes einzelnen Menschen ist, sondern auch die zentrale Frage von Gesellschaft, Kultur, Politik und Philosophie sein sollte. Zu fragen „Bist du glücklich?“ wird nie veraltet sein und sollte in jeder Generation immer wieder gefragt werden. Genau das tun Magali Bragard und Severine Enjolras.    

Special Mention: KHO KI PA LÚ – UP DOWN & SIDEWAYS

Anushka Meenakshi, Iswar Srikumar | Indien 2017 | 83 Min. | OmeU

Jury Statement: Wir waren verzaubert von der außergewöhnlichen Interpretation des Li, der Lieder, die die Bauern in Nagaland sangen. Die Lieder und die atmosphärische Vertonung ergeben zusammen einen hochentwickelten Soundtrack, der den Zuschauer in die harte, körperliche Arbeit der kleinen kooperativen Gruppen von Menschen, die gemeinsam das Land, die Müle, bearbeiten, einbezieht. Der Machart des Films - seine langen Aufnahmen, die die von Liedern getragene landwirtschaftliche Arbeit darstellt, in Szenen, die selten kurz geschnitten werden - eignet sich außerordentlich gut, um die Bedeutung des kollektiven Arbeitens und Singens zu vermitteln. Die Lieder tragen die Betrachterin durch die langen sich wiederholenden Bewegungen auf dieselbe Weise, wie sie die Arbeiter und Arbeiterinnen durch den Tag tragen. Zu all diesen Elementen kommt eine makellose Fotografie einer atemberaubenden Landschaft hinzu. Herzlichen Glückwunsch an die Filmemacher.   

 

ISA-WINNER: THE LAKE

Daria Blokhina | Russland 2016 | 30 Min. | OmeU

Audience Award

 

 

ESSA-WINNER: MIĘDZY NAMI – BETWEEN US

Maciej Miller | Polen 2017 | 30 Min. | OmeU

Audience Award

 

Programm 2018

Von 4. bis 10. Mai 2018 verwandelt die ethnocineca – International Documentary Film Festival Vienna das Votiv Kino und das Kino De France sieben Tage lang zum Zentrum des internationalen Dokumentarfilms. Für die 12te Festivalausgabe haben unsere KuratorInnen aus über 500 Filmeinreichungen ein Programm zusammengestellt, das sich aus verschiedenen Blickwinkeln aktuellen Fragen des politischen, sozialen und kulturellen Zusammenlebens weltweit widmet. 56 Filme, ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm, sowie zahlreiche Filmgespräche mit internationalen Filmschaffenden laden zum Eintauchen in die Welt des dokumentarischen und ethnographischen Films ein. Fünf Fokusprogramme laden zu einer gezielten und kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Diskursen und Entwicklungen ein.

Eröffnet wird das Festival mit dem neuen Film von Siegfried Ressel Der Mensch ist ein schöner Gedanke. Volkhard Knigge und Buchenwald, der mit eindringlichen Worten und Bildern den Blick für vergangene, ebenso wie gegenwärtige, gesellschaftliche Bewegungen schärft. Es gilt, genau hinzuschauen und beim Gedenken die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren. Angesichts nationaler und globaler politischer Ereignisse ein wichtiger Film und Appell an die Menschlichkeit.

Mit fünf Wettbewerbssektionen setzt die ethnocineca Akzente für innovatives Dokumentarfilmkino am Puls der Zeit. In den drei Wettbewerben International Documentary Award (IDA), Austrian Documentary Award (ADA) und Excellence in Visual Anthropology Award (EVA) kürt eine international besetzte Jury die diesjährigen Sieger. Zudem freuen wir uns einmal mehr auf die Vergabe unserer zwei Kurzfilmpreise: Bei dem International Shorts Award (ISA) und dem ethnocineca Student Shorts Award (ESSA) wird das Publikum zur Jury.

Der diesjährige Festivalschwerpunkt Whose Story is it? fragt in einem vielfältigen Rahmenprogramm nach AutorInnenschaft, Erzählweisen und Gestaltungsarten der dokumentarischen Filmformen. Zur Festivaleröffnung erörtert Paolo Favero von der Universität Antwerpen in der diesjährigen Keynote Lecture die Herausforderungen neuer Dokumentarfilmmethoden im digital vernetzten Zeitalter. In der Masterclass befasst sich der australische Filmemacher David Fedele mit neuen Erzählstrategien im Dokumentarfilm und bespricht ethische und moralische Aspekte des verantwortungsvollen, kollaborativen Storytelling. Bei der diesjährigen Podiumsdiskussion in Kooperation mit dok.at beleuchten Produzentin Marion Guth, Filmemacherin Alexandra D'Onofrio und Filmemacher Ascan Breuer die unterschiedlichen Erzählweisen, Vermittlungswege und die Arbeit mit neuen Medien und Technologien im Dokumentarfilmkino. Angela de Souza Torresan von der Universität Manchester hält einen Vortrag zu Storytelling im ethnographischen Film und mit Filmemacherin Grace Winter und Kulturphilosoph Tom Waibel erkunden wir in einer Diskussion die Möglichkeiten und Herausforderungen der audio-visuellen Aufarbeitung und Archivierung von historischem Filmmaterial.

Besonders freuen wir uns das Film Festival in Exile: Syria bei uns zu Gast zu haben. Unter dem Titel „Sieben Jahre Hungersnot, Sieben Jahre Überfluss?!“ werden am 9. Mai im Kino De France drei Filme gezeigt, die uns einen unmittelbaren Blick auf die menschliche Seite der syrischen Katastrophe in den sieben Jahren von 2011 bis 2018 geben. Hierzu findet bereits am 8. Mai eine Podiumsdiskussion im Weltmuseum Wien statt. Wir blicken mutigen Filmen und spannenden Diskussionen entgegen und freuen uns, das Film Festival in Exile: Syria im Rahmen der diesjährigen ethnocineca zu Gast zu haben.

Das gesamte Programm der ethnocineca 2018 steht ganz im Zeichen eines zeitgenössischen und kritischen Dokumentarfilmkinos, versteht sich als Impulsgeber und Diskussionsplattform in Zeiten politischen Wandels und rückt einmal mehr Fragen des Zusammenlebens und menschlicher Lebensrealitäten in den Fokus.

Wir wünschen ein anregendes Festival!

ETHNOCINECA TRAILER 2018

Filmreihe

Jeden Sonntag
um 11:00

Termine



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