KEYNOTE

KEYNOTE PROF. MATTIJS VAN DE PORT

SENSING THE MESS
Die Wahrnehmung des Chaos: Zum Sinn und den Sinnen im Dokumentarfilm

Schon bevor ich als Anthropologe die Kamera zu meinem Instrument machte, habe ich begonnen, die Konventionen des akademischen Schreibens in Frage zu stellen, die, wie John Law es ausdrückte, versuchen, „die Realität in Klarheit zu verzerren“. Klarheit war genau das, was an den Orten, die ich erforschte, fehlte: dem vom Krieg heimgesuchte Serbien, wo so viele Leben im Morast endeten, und den Tempeln des afro-brasilianischen Candomblé mit Besessenheitsritualen und blutigen Altären. Diese Orte waren pures Chaos, Chaos, das mit Stolz zur Schau getragen wurde. Das akademische Diktum, dass das Aussortieren und Aufräumen dieses Chaos der beste Weg wäre, sie zu verstehen, ergab einfach keinen Sinn. Das Chaos musste als solches wahrgenommen werden. Ich erkannte, dass Film ein Medium ist, das für die Unordnung der Welt weitaus einladender ist. 

In dieser Keynote erörtere ich, wie ich Film verwendet habe, um Chaos in meine Arbeit einzuführen. Beginnend mit Beispielen „sprachbefreiter“ sensorischer Filme, die aus dem Harvard Sensory Ethnography Lab stammen, führe ich schon bald wieder – aus Gründen, die noch zu erklären sein werden – das Wort ein, wie es im Genre des Essayfilms vorgeschlagen wurde.

Keynote in englischer Sprache.